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Freitag, 26. August 2005 |
Baltische Impressionen (3) - Weltkulturerbe Marienburg
Besucht man heute die Marienburg, von 1309 - 1457 Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ritterordens, erblickt man auf der ehemaligen Vorburg des Ordenshaupthauses vor dem Eingang zum Mittelschloss vier lebensgroße bronzene Figuren, vier namentlich bekannte Hochmeister. Wenn man sie anschaut, merkt man gleich, sie stehen hier nicht an dem ursprünglichen Platz, ihr gegenwärtiger Standort sieht vielmehr nach einem vorläufigen Abstellplatz aus. Außerdem: Einem der Hochmeister fehlt auch eine Hand, was auf eine Geschichte der vier Figuren hinweist, die wohl nicht immer friedlich verlief. Blättert man dann in alten Beschreibungen zur Marienburg, zum Beispiel im 1898 herausgegebenen Büchlein von Paul Fischer aus Graudenz, so erfährt man: Die vier Hochmeister sind Werke des in Königsberg geborenen Bildhauers Rudolf Siemering. (mehr hier)
In Berlin kennen wir von Siemering das Denkmal für den Augenarzt von Graefe und das Denkmal der heiligen Gertrud. Der Hochmeister ganz links auf dem Bild ist Siemerings Interpretation des Aussehens von Hermann von Salza. Ganz anders hat ihn sich Johannes Böse vorgestellt. Hermann von Salza war eine der Nebenfiguren seines Denkmals von Markgraf Albrecht II. auf der Siegesallee.
Rudolf Siemering (10.08.1835 Königsberg - 23.01.1905 Berlin) begann mit einer Lehre als Möbeltischler. 1855 trat er in die Kunstakademie zu Königsberg ein, wo allerdings ein Lehrer für die Plastik fehlte. So erhielt er schon früh Bildnisaufträge, etwa für eine Büste Eduard von Simsons, den späteren Präsidenten der deutschen Nationalversammlung. 1858 siedelte Siemering nach Berlin über, wurde Schüler der Akademie und Lehrling im Atelier von Gustav Blaeser, einem der profiliertesten Rauch-Schüler. Bereits 1862 beteiligte er sich an der Konkurrenz um das Berliner Schiller-Denkmal, die Reinhold Begas gewann. Während Siemering sein Denkmal in konventioneller Gestalt entwarf, führte Begas seinen Schiller als Visionär vor, was als Sieg des Neubarock über die Rauch-Schule gefeiert wurde. Eine Rivalität zu Begas blieb lebenslang. (Peter Bloch im Katalog der Ausstellung Ethos und Pathos, 1990 Hamburger Bahnhof)
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