letzte Änderung: 01.06.05; 19:31:16.
Kunstspaziergänge
Spaziergänge in Berlin und Umgebung
        

Dienstag, 3. Mai 2005

John Cage lehrte uns die Stille hören Nikolai Makarow macht sie uns sichtbar.
Porträts von Nikolai Makarow in der Galerie Schoen & Nalepa

Nikolai Makarow, Moskauer, Wahlberliner seit 1975 und New Yorker auf Zeit seit gut zehn Jahren, hat sich auf Rembrandt eingelassen, auf dessen Licht auf dunklem Grund. Die kleine Tafel zeigt goldtonige, schemenhafte Anklänge an eines der berühmten Selbstbildnisse des Leideners um 1628. Und auch der 52-jährige Russe sucht, was der alte Meister in seinen Bildern erreichte, den Ausgleich der Gegensätze, die Balance zwischen Düsternis und Helligkeit, gleichsam zwischen Böse und Gut. Dieses Kräfteverhältnis vor Augen, muss der Betrachter selbst entscheiden, ob sein Gefühl dem bange machenden Dunkel folgt oder dem hoffnungsvollen Licht. Die Kunstgeschichte ist reich an Anlehnungen, Adaptionen und Anleihen. Bei Makarow hat die Affinität zu dem Holländer nichts zu tun mit bloßer Nachahmung infolge eigener Einfallslosigkeit. Der Russe ist in seiner Heimat über den Umweg der Pressezeichnung und Filmmalerei zum Maler geworden - inmitten einer Tradition der so melancholischen wie kontemplativen Töne. Später wurde er als Akademie-Meisterschüler bei dem Ostberliner Zeichner Werner Klemke weiter geformt zum eigentümlichen Porträtisten. Er bekennt sich zu Rembrandt, vor allem "wegen des intensiven ,Gesprächs' - über Zeiten, Stile, Trends und Brüche hinweg".
(Ingeborg Ruthe in der BZ)

Russland in Berlin - Ein Kulturmagazin
Russische Berliner Atelierfeste bei Nikolai Makarow (W. Kohrt):

Nikolai Makarow ist ein russischer Maler, der zweimal im Jahr ein Atelierfest veranstaltet. Fester Termin ist der 13. Januar, der Tag des orthodoxen Neujahrs. Das zweite Fest findet im Sommer statt, aber es fragt sich, ob Fest das richtige Wort ist. Das Wort klingt, als säßen die Gäste an einem Tisch und hätten Servietten aus Leinen neben den Tellern. Dass es so ist, kann man nicht sagen. Es ist eher das Gegenteil. Im Januar hatte Makarow ungefähr 150 Einladungen verteilt, aber fast 600 Leute sind gekommen. Es hatte sich herumgesprochen, dass es wieder ein Kakerlakenrennen geben wird. Dass Freibier ausgeschenkt und Wodka in Strömen fließen würde. Musiker würden ihre Instrumente mitbringen und jemand würde Zigeunerromanzen singen. "An dem Abend wusste ich gar nicht, was ich machen soll", sagt Nikolai Makarow, "lässt man sie alle herein oder nicht. Aber dann waren wohl doch alle drin, und nachts um zwei merkte ich, wie der Boden bebte, als zur Klezmermusik getanzt wurde. Das war mir dann doch zu heiß. Was ist, wenn der Boden durchbricht?" Es war eine rauschende Fete. Als der Wodka-Nachschub kurzzeitig stockte, zog ein bekannter russischer Schriftsteller eine Flasche aus der Jacketttasche und goss in mitgebrachte Plastikbecher ein. Früh um acht lagen Schnapsleichen in den Ecken, neben ihnen wurde noch getanzt. Katja aber rief Gott an und klagte darüber, dass die Dusche als Toilette benutzt worden war. "Am nächsten Tag sieht es hier wirklich immer furchtbar aus", sagt Nikolai Makarow, "aber ich denke, so ist das Leben." Und weil das Leben so ist und auch die Zeit vergeht, fängt Makarow jetzt wieder mit den Vorbereitungen an.
...
Nikolai Makarow ist ein kleiner, stiller Mann von 48 Jahren. Er ist Maler, aber keiner, der die Farbe wie in einem Anfall auf die Leinwand schmettert. Wenn es Figuren auf seinen Bildern gibt, sieht es aus, als verschwämmen sie hinter einem dunklen Gewebe. Manchmal gibt es auch keine Figuren, sondern nur Dunkel und Hell. Makarow trägt ein schwarzes Hemd, schwarze Hose und braune Schuhe, die auf dem Spann weiß sind. Er spricht leise. Manchmal kann man den Recorder ausschalten, weil es dauert, bis er den Satz weiter spricht oder einen neuen anfängt. Wenn seine Haare nicht zum Pferdeschwanz gebunden sind, fallen sie bis unter die Schultern. Genau wie den dünnen Kinnbart hat er sie vier Jahre wachsen lassen. Offen getragen sind die Haare wie ein breiter, dunkler Rahmen für ein sehr russisches Gesicht. Die Amerikaner lieben das. Makarow ist oft in New York. "Sie haben es gern", sagt er, "wenn jemand russische Kunst macht und dann auch noch wie Rasputin aussieht. Oder wie ein Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert. Deshalb habe ich damals, wie ich das so nenne, den Russen rausgelassen."


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